Assyriologie
Der Masterstudiengang Assyriologie (M.A.) am Orientalischen Institut der Universität Heidelberg ist ein viersemestriger, philologisch-historisch ausgerichteter Studiengang zu den Hochkulturen des Alten Vorderen Orients. Für Interessierte mit prähistorischem oder archäologischem Hintergrund ist er besonders interessant, weil er die schriftlichen Quellen liefert, die die archäologisch-stratigraphische Befundlage Mesopotamiens und der angrenzenden Regionen kontextualisieren – von ersten Verwaltungstexten der Uruk-Zeit über die altbabylonischen Briefarchive bis zu spätbabylonischen Astronomie-Tafeln und neuassyrischen Königsannalen. Das Heidelberger Institut hat einen besonderen Schwerpunkt in der spätbabylonischen Periode, in der Wissenschaftsgeschichte Mesopotamiens und in digitalen Editionsverfahren.
Kern des Studiums ist die vertiefte Arbeit mit keilschriftlichen Dokumenten: Akkadisch (Altbabylonisch, Mittelbabylonisch, Neubabylonisch, Neuassyrisch) und Sumerisch werden auf Forschungsniveau gelesen; je nach Schwerpunkt kommen Hethitisch, Hurritisch oder Ugaritisch hinzu. Typische Module sind Sumerische und akkadische Lektüreseminare zu Königsinschriften, Verwaltungs- und Rechtstexten, literarischen Werken (Gilgameš-Epos, Enūma Eliš), wissenschaftlichen Texten (Mathematik, Medizin, Omenliteratur) und Ritualtexten, Keilschriftpaläografie und Siegelkunde, Geschichte und Kultur Mesopotamiens, Religion und Literatur des Alten Orients, Wirtschafts- und Rechtsgeschichte, methodische Editionstechnik sowie digitale Keilschriftforschung (CDLI, ORACC, EpiDoc, 3D-Scanning von Tafeln). Empfohlenes Begleitfach ist die Vorderasiatische Archäologie, was eine ausgesprochen prähistorisch-archäologische Studienarchitektur ermöglicht – mit gemeinsamen Lehrgrabungen und Exkursionen im Nahen Osten. Das vierte Semester ist der Masterarbeit gewidmet, häufig auf Basis unpublizierter Tafeln aus Museumssammlungen wie dem Vorderasiatischen Museum Berlin, dem British Museum oder dem Yale Babylonian Collection.
Absolventinnen und Absolventen qualifizieren sich primär für eine wissenschaftliche Laufbahn an Universitäten und Forschungsinstituten (Heidelberg, Berlin, Tübingen, Chicago, Oxford, Leiden). Berufliche Wege führen außerdem in Museen mit altorientalischer Sammlung, in internationale archäologische Grabungsprojekte im Irak (etwa Uruk, Babylon), Iran und der Türkei, in Editionsprojekte (Berlin-Brandenburgische Akademie, MPI-Projekte, BMBF-geförderte Digital-Humanities-Verbünde), in das wissenschaftliche Verlagswesen sowie in die Erwachsenenbildung und Kulturvermittlung. Auch im Kulturgüterschutz und in der Provenienzforschung sind Assyriolog:innen zunehmend gefragt.
Voraussetzung ist ein einschlägiger Bachelor in Assyriologie, Altorientalistik oder einem benachbarten altertumswissenschaftlichen Fach – mit Modulen in Ur- und Frühgeschichte oder Vorderasiatischer Archäologie – mit nachgewiesenen Akkadisch-Kenntnissen und idealerweise Sumerisch-Grundlagen. Erwartet werden außerdem gute Englischkenntnisse für die internationale Forschungsliteratur sowie philologische Genauigkeit. Studienbeginn ist nur zum Wintersemester. Sehr kleine Kohorten ermöglichen eine fast tutorielle Betreuung durch den Lehrstuhl; viele Studierende sind über Hilfskraftverträge in laufende Editionsprojekte eingebunden. Stipendien sind über DAAD, Studienstiftung, Gerda-Henkel-Stiftung und altorientalistische Förderfonds zugänglich; Exkursionen in den Nahen Osten werden bei Bedarf gemeinsam mit Vorderasiatischer Archäologie organisiert. Heidelberg pflegt zudem aktive Partnerschaften mit dem Vorderasiatischen Museum Berlin, dem Louvre, dem Iraq Museum in Bagdad sowie wechselnden Grabungsprojekten in Anatolien und Nordsyrien, in die Studierende über Forschungsfreisemester eingebunden werden können.
Module im Studium
- Akkadische Lektüre (Altbabylonisch und Neuassyrisch)
- Sumerische Lektüre
- Keilschriftpaläografie
- Geschichte und Archäologie Mesopotamiens
- Religion und Literatur des Alten Orients
- Wirtschafts- und Rechtsgeschichte
- Methoden- und Editionstechnik
- Digitale Keilschriftforschung
- Wahlmodul Hethitisch oder Hurritisch
- Forschungskolloquium
- Masterarbeit
Schwerpunkte & Vertiefungen
- Sumerologie
- Babylonisch-assyrische Philologie
- Hethitologie
- Altorientalische Religionsgeschichte
Was du lernst
- Sichere Lektüre keilschriftlicher Quellen
- Edition und Übersetzung altorientalischer Texte
- Historische Einordnung früher Schriftkulturen
- Arbeit mit altorientalischen Datenbanken
- Verknüpfung philologischer und archäologischer Befunde
- Eigenständige Forschungsarbeit
Typische Berufsfelder
- Wissenschaft und Hochschulforschung
- Museen mit altorientalischer Sammlung
- Editionsprojekte und Akademien
- Archäologische Feldforschung im Nahen Osten
- Wissenschaftliches Verlagswesen
- Erwachsenenbildung und Kulturvermittlung
Branchen
Empfohlene Vorkenntnisse
- Bachelor in Assyriologie, Altorientalistik oder verwandtem Fach
- Module in Ur-/Frühgeschichte oder Vorderasiat. Archäologie
- Akkadisch-Kenntnisse
- Sumerisch empfohlen
- Sehr gute Englischkenntnisse
Variante dieses Studiengangs 1 Eintrag
- Assyriologie Master Teilzeit
Modulhandbuch & Studienordnung
Detaillierte Modulbeschreibungen, Pflichtmodule und Studien- und Prüfungsordnung veröffentlicht die Universität Heidelberg auf ihrer Website.
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